Mittwoch, 24. Juni 2015

VON ZUFÄLLEN UND EINER MITFAHRGELEGENHEIT.

Mitfahrgelegenheiten halte ich für eine gute Sache: Fahrer und Mitfahrer sparen beide Geld und es springt vielleicht noch eine interessante Bekanntschaft dabei heraus. Trotzdem habe ich es erst vor kurzem gewagt meinen Allerwärtesten in so eine neumodische Fahrgemeinschaft zu verfrachten. Der Bahnstreik war schuld. Für eine bekennende Schissbuchse (Pfefferspray stand natürlich ganz oben auf meiner Packliste) wie mich, stand also ein neues Abenteuer bevor. 

Nachdem meine erste Anfrage an ein junges Pärchen erfolglos blieb, wurde ich "mutiger" und buchte mich bei einem 64-Jährigen Berufsfahrer ein. Geschafft! Der Platz gehörte mir. Um es an dieser Stelle etwas abzukürzen: letztendlich sagte mir der Herr ab und ich landete doch beim jungen Pärchen im silbernen Golf. 

Am Abfahrtstag treffe ich also in Berlin auf meinen Fahrer Alex*, seine Freundin Bianca und einen weiteren Mitfahrer Thorben. Es sollte nach Dortmund gehen. Ich: in Bochum lebend, in Dortmund studierend und in Iserlohn arbeitend. Treffe auf Alex: wohnt in Dortmund, studiert in Iserlohn (nicht gerade DIE Stadt der Wahl, wenn es ums studieren geht, also wirklich ein lustiger Zufall) und: wir studieren auch noch das Gleiche.  

Das war aber noch nicht alles. Mitfahrer Tom - in Bochum lebend, Mitglied bei den Pfadfindern und von Beruf Tourmanager - stellte im Gespräch mit Bianca fest, dass sie ebenfalls bei den Pfadfindern ist und die beiden eine bestimmte Exfreundin eines gemeinsamen Bekannten kennen. Oder zumindest so ähnlich. Es war jedenfalls ziemlich abgefahren und jeder stellte sich die Frage: was ist der Pott eigentlich für ein Dorf? Betrachtet man Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte sprechen die Fakten eigentlich eindeutig gegen diese Bezeichnung. Naja. Zufall eben. 

So saß ich also in meiner ersten Mitfahrgelegenheit und fragte mich, was mir das Schicksal mit dieser Zusammenkunft sagen wollte und hörte mir Geschichten aus dem Alltag eines "pfadfindernden" Tourmanagers an. Der sonnenbebrillte Thorben (nein, die Sonne schien nicht wirklich ins Auto) erzählte mit einer gewissen Großspurigkeit von Drogen, Prostituierten, Alkoholexzessen, irgendwelchen blutigen Kämpfen in Bochum (man lernt nie aus über seine Heimatstadt) und viel über Musik. Wir hörten zu. Eine gewisse Faszination für diese Geschichten konnte keiner abstreiten. 

Dementsprechend schnell verging die Zeit und wir erreichten das Ziel. Ein Händedruck, ein Danke und schon war es vorbei, das kleine Abenteuer Mitfahrgelegenheit. Thorben nahm ich übrigens noch mit nach Bochum, sein Auto wartete praktisch direkt vor meiner Haustür auf ihn. Was soll ich sagen? Zufall eben. 


*Namen sind geändert


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